Das DACH

„Statt abgeschlossener Hallen entsteht hier eine offene, aufgeständerte Struktur, die öffentliche, halböffentliche und produktive Nutzungen kombiniert.“

„Durch modulare Raster, erweiterbare Riegel und flexible Innenraumaufteilungen ist das Gebäude nicht auf eine einzelne Nutzung festgelegt, sondern bleibt über seinen Lebenszyklus hinweg transformierbar.“

Das DACH – der Aussenraum im Innenraum für Quartier, Transformation und Ökologie

Die entwickelte Gebäudetypologie im Gewerbegebiet von Kelmis, BE unterscheidet sich grundlegend von klassischen Gewerbebauten, die meist monofunktional, eingeschossig und stark versiegelt organisiert sind. Statt abgeschlossener Hallen entsteht hier eine offene, aufgeständerte Struktur, die öffentliche, halböffentliche und produktive Nutzungen kombiniert. Die Trennung von robuster Erdgeschossebene und flexiblen Holzboxen darüber ermöglicht eine langfristige Anpassung an sich wandelnde Anforderungen.

Im Gewerbegebiet von Kelmis übernimmt der Innovationshub eine vermittelnde Rolle. Er fungiert als Bindeglied zwischen Produktion, Kreativwirtschaft, Öffentlichkeit und bestehender Infrastruktur wie dem Museum. Damit wird aus einem funktional geprägten Gewerbegebiet ein Ort mit sozialer und kultureller Dimension. Der Hub wirkt als Impulsgeber für neue Arbeitsformen, Kooperationen und lokale Wertschöpfung und stärkt die Identität des Standorts.

Ort
Kelmis, BE

Jahr
2026

Kompetenzen
Projektplanung
Arealentwicklung

Studium an
RWTH Aachen University

Lehrstuhl für
Gebäudetechnologie

Lage
Das Grundstück selbst ist mehrfach angebunden und wirkt als verbindendes Gelenk zwischen unterschiedlichen Ebenen und verschiedenen Gebieten. Der Hauptzugang liegt an der Lütticher Sraße und bildet die adressbildende Eingangssituation. Hier erfolgt sowohl der Besucherzugang als auch die funktionale Anlieferung. Von diesem Punkt aus öffnet sich das Gelände in Richtung des zentralen, überdeckten Freiraums unter dem aufgeständerten Neubau. Durch die Versetzung der Baukörper öffnet sich Raum in der Mitte für die Besucher.

Grundriss und Erschließungskonzept
Die Grundrissstruktur des Gebäudes folgt einem klaren, linearen Prinzip, das Flexibilität und Nutzungsvielfalt ermöglicht. Die beiden gegenüberliegenden Baukörper sind als durchgängige Riegel organisiert, in denen sich einzelne Nutzungseinheiten entlang der Fassaden aufreihen. Diese Anordnung schafft gut belichtete Räume mit direktem Außenbezug und klarer Orientierung.

Im Erdgeschoss unter dem aufgeständerten Gebäude bildet sich ein großzügiger, überdeckter Raum, der frei durchquerbar ist. Dieser Bereich fungiert als Verteilerzone zwischen Neubau, Makerspace-Halle und Außenanlagen. Die beiden vertikalen Erschließungskerne sind hier klar positioniert und gut sichtbar angeordnet. Sie enthalten jeweils Treppen und Aufzüge und gewährleisten eine barrierefreie Erschließung aller Ebenen. Ihre Lage im Zwischenraum der beiden Baukörper stärkt die zentrale Orientierung.

Die Räume im Obergeschoss sind modular aufgebaut und können je nach Bedarf zusammengelegt oder unterteilt werden. Dadurch sind sowohl kleine, abgeschlossene Einheiten als auch größere, gemeinschaftlich genutzte Flächen möglich. Die Tragstruktur und das Erschließungssystem erlauben eine langfristige Anpassung an wechselnde Anforderungen, wodurch der Grundriss offen für zukünftige Entwicklungen bleibt.
Entlang der Erschließungszone sind gemeinschaftliche und infrastrukturelle Funktionen gebündelt. Dazu gehören Sanitärbereiche, Teeküchen sowie technische Nebenräume. Diese zentral angeordneten Kerne versorgen mehrere Nutzungseinheiten gleichzeitig und fördern Begegnungen im Alltag. Gleichzeitig bleiben die Hauptflächen frei bespielbar und werden nicht durch feste Funktionskerne zerschnitten.
Die Gegenüberstellung der beiden Riegel erzeugt eine räumliche Spannung zwischen Nutzung und Zwischenraum. Während die Innenräume konzentriertes Arbeiten, Lernen oder Produzieren ermöglichen, bleibt der Zwischenbereich als offener, gemeinschaftlicher Raum wahrnehmbar. Die Blickbezüge zwischen den Baukörpern stärken das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Sichtbarkeit der Aktivitäten.
Insgesamt ist der Grundriss nicht als starres Schema, sondern als robustes Gerüst konzipiert. Er schafft eine klare Ordnung, ohne Nutzungen festzuschreiben, und unterstützt damit das zentrale Ziel des Projekts, einen wandelbaren Ort für unterschiedliche Menschen, Projekte und Zeiträume bereitzustellen.
Das Grundriss- und Erschließungskonzept folgt dem übergeordneten Leitgedanken der Vernetzung und Durchlässigkeit. Erschließung wird nicht als rein funktionales Element verstanden, sondern als räumliches Gerüst, das Bewegung, Orientierung und soziale Interaktion ermöglicht.

Fassade
Die Außenwände der Riegel sind als hinterlüftete Holzständerkonstruktion mit horizontalen Holzlamellen als äußere Bekleidung ausgeführt (u-Wert: 0,17 W/(m²K)). Die Aussenfassade folgt einem klaren Rhythmus von sich abwechselnden geöffneten und geschlossenen Wandflächen. Dieses gleichmäßige Verhältnis erzeugt eine ruhige, lineare Struktur, die die Länge der Baukörper betont. Gleichzeitig reagiert die Fassade auf Nutzung und Klima. Im Bereich der Fenster sind die Holzlamellen als bewegliche Elemente ausgebildet. Sie funktionieren wie nach oben klappbare Hebe-Faltläden und dienen als variabler Sonnenschutz. Dadurch verändert sich das Fassadenbild je nach Nutzung, Tageszeit und Lichtverhältnissen und erhält eine lebendige, dynamische Wirkung.
Zur zentralen Zwischenzone hin ist die Fassade ähnlich aufgebaut, reagiert jedoch stärker auf die Erschließungssituation. Hier wechseln statt schmaler Fenster geschlossene Wandfelder mit großformatigen, öffenbaren Falttüren. Diese können vollständig zum Erschließungssteg aufgefaltet werden und erweitern die Innenräume in den halböffentlichen Bereich. So entsteht eine direkte räumliche Beziehung zwischen Nutzungseinheit, Erschließung und Zwischenraum.

Energiekonzept
Die Dachflächen spielen eine zentrale Rolle in der Energieversorgung. Auf den Riegeln des Neubaus werden großflächig Photovoltaikmodule installiert, während das Dach des Bestandsgebäudes mit PVT-Paneelen ausgestattet wird. Diese kombinieren Strom- und Wärmeerzeugung und erhöhen so die Effizienz der Flächennutzung. Durch den hohen Anteil an Photovoltaik produziert das Ensemble deutlich mehr elektrische Energie als für den Eigenbedarf erforderlich ist. Die jährliche Stromproduktion liegt bei rund 585.000 kWh, wovon etwa 400.000 kWh als Überschuss zur Verfügung stehen. Dieser kann in ein lokales Netz eingespeist und beispielsweise für E-Ladesäulen oder umliegende Haushalte genutzt werden.
Das Gebäude wird damit vom reinen Verbraucher zum Energieproduzenten im Gebiet.

Studentische Aufgabenstellung
Adapt.Lab ist ein studentisches Masterprojekt im Bereich Architektur zur Entwicklung eines klimaneutralen, energieeffizienten und flexibel nutzbaren Gebäudetyps für einen Gewerbecampus in Kelmis. Im Fokus stehen die energetische Interaktion mit dem Umfeld, ressourcenschonende Bauweisen sowie nutzungsneutrale Raumkonzepte für Arbeiten, Forschung und Produktion.
Begleitet von Praxispartnern wie dem Living Lab Energy Campus Jülich, der Stadt Kelmis und Stadtplanern aus Ostbelgien entstand ein übertragbares architektonisch-energetisches Konzept für zukunftsfähige, klimaangepasste Gewerbegebiete im Rahmen des RWTH-Formats tu!LAB.

Team
John Bergmann
Georgios Triantafyllidis

Elina Kolenko
Salah Hadi Khedher