Das Thermische Aufmaß

Abstract

Grünfassaden gelten als vielversprechende Maßnahme zur Reduktion urbaner Wärmebelastung, ihr tatsächlicher mikroklimatischer Effekt ist jedoch methodisch schwer vergleichbar. Ziel dieser Arbeit ist die quantitative Untersuchung der thermischen Wirkung einer Living Wall sowie die Entwicklung eines belastbaren Messverfahrens im architektonischen Kontext.

Mittels Infrarot-Thermografie und photogrammetrischer Verfahren werden Temperaturdaten geometrisch referenziert und zu entzerrten thermischen Fassadenabbildungen weiterverarbeitet. Dadurch können perspektivische Verzerrungen klassischer Wärmebildaufnahmen reduziert und thermische Effekte räumlich korrekt verortet werden.

Die Ergebnisse zeigen signifikante Temperaturunterschiede zwischen begrünter und unbegrünter Fassade. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine valide Bewertung stark von Kalibrierung, Emissionsgradkorrektur und räumlicher Referenzierung abhängt. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Standardisierung thermischer Messmethoden und zur objektiven Bewertung klimawirksamer Fassadenbegrünung.

Keywords

Thermisches Aufmaß, Mikroklima-Analyse, Fassadenkühlung, Klimawirksame Architektur, Digitale Klimakartierung, 3D-Wärmescan, Messbare Nachhaltigkeit, Temperaturmessung im Stadtraum, Architektur & Klimaforschung, Bauinformatik

Worum geht es?

Städte werden heißer – besonders im Sommer speichern Beton- und Glasfassaden große Mengen Wärme. Grünfassaden gelten als vielversprechende Lösung, um Gebäude und Stadträume zu kühlen. Doch wie stark ist dieser Effekt wirklich? Und wie kann man ihn zuverlässig messen?
Genau hier setzt unsere Forschung an.

Was untersuchen wir?

Wir analysieren die thermische Wirkung einer Grünfassade am Neubau der RWTH Aachen University. Mithilfe von Wärmebildkameras erfassen wir, wie sich Temperaturen an der Fassade und im umliegenden Außenraum verändern – insbesondere an heißen Sommertagen.

Dabei interessieren uns zwei zentrale Fragen:
Wie kommt diese Kühlwirkung tatsächlich im umgebenden Raum und beim Menschen an?
Wie stark kühlt eine begrünte Fassade im Vergleich zu einer unbegrünten Fläche?

Wie messen wir das?

Wir arbeiten mit Infrarotkameras, die Wärmestrahlung sichtbar machen. Doch statt nur einzelne Bilder aufzunehmen, entwickeln wir eine neue Methode:
– Thermische Aufnahmen werden geometrisch entzerrt
– Messdaten werden räumlich verortet
– Perspektivisch entstehen dreidimensionale Mikroklimakarten

So vermeiden wir typische Messfehler durch Perspektive oder Abstand – und erhalten belastbare, vergleichbare Daten.

Unser Ziel ist es, aus reinen Wärmebildern ein präzises „thermisches Aufmaß“ zu entwickeln – ähnlich einem digitalen Gebäudescan, nur mit Temperaturinformationen.

Warum ist das wichtig?

Grünfassaden werden häufig als nachhaltige Lösung beworben. Unsere Forschung trägt dazu bei,
– reale thermische Effekte objektiv nachzuweisen
– Greenwashing zu vermeiden
– Planerinnen und Planern ein messbares Entscheidungswerkzeug an die Hand zu geben
– Mikroklima stärker in architektonische Entwurfsprozesse zu integrieren

Langfristig soll das thermische Aufmaß helfen, Fassaden nicht nur gestalterisch, sondern auch klimatisch zu bewerten.

Jahr
2026

Kompetenzen
Forschung

Studium an
RWTH Aachen University

Lehrstuhl für
Gebäudetechnologie

Prüfer
Prof. Dr.-Ing. Daniele Santucci

Team
John Bergmann
Johannes Huppertz